text zu sound

rauschen 1



die uhr tickt. in ihren leisen, stetigen marsch mischen sich die klickergeräusche der stricknadeln, manchmal das schaben eines groben wollfadens an marthas schwieligen händen und das knistern der plastiktüte, wenn sie >den faden nachzieht. sie lauscht, sortiert gedanken. malte ist heimgekehrt. gestern, irgendwann in der nacht, stand er vor der tür, klopfte nicht, läutete nicht, stierte nur vor sich hin. davon muß ich aufgewacht sein, denkt sie, von seinem stehen und stieren. niemand rechnete damit, ihn wiederzusehen. von dort, wo man ihn hingeschickt hatte, kam keiner zurück. er ließ sich nicht umarmen, ging an ihr vorbei, legte sich aufs sofa und schlief. gegen mittag stand er auf und holte aus seinem seesack ein uraltes bandoneon hervor. damit ging er in die kirche nebenan. seitdem, seit über drei stunden, spielt er. falls man das spielen nennen kann, denkt martha und läßt die nadeln sinken. hoffentlich findet er einen, dem er alles erzählen kann. nur mir nicht, bitte nicht mir...

musik: >uNice
text zur musik: >eukapirates

allerweltsbild in der zeitung



er ist elf, vielleicht zwölf. er ist im besitz eines schmächtigen körpers und schütterer haare. er zählt noch drei eckzähne sein eigen. weil er so klein ist, rufen die anderen ihn oft mit mädchennamen. er stört sich nicht mehr daran, läuft durch häuserschacht- schatten, in >windkanälen zwischen den wohnsilos. den kopf hält er gebeugt, die augen weit offen. ein beutel hängt ihm quer über die schultern. er klaubt dinge vom boden, sammelt sie darin. manche wird er später zu geld machen. ein hund rennt auf ihn zu, bellt laut. der junge geht einen schritt, tritt aus dem foto, hebt den blick. sein lachen füllt das gesamte gesicht aus, das er dem hund jetzt entgegenstreckt. sie laufen um die wette. >später trifft er die anderen unten am hafen. sie lachen viel. sie teilen das essen. der hund schläft an seiner seite.

musik uNice
text eukapirates zu traum III

twain revisited



in stetem wachstum begriffene stalagmiten wohin sie sah, und diffuses licht aus einer unerkannten quelle. während sie sich in dieser hellblauen und braunen und rosig schimmernden welt umschaute, stellte sie fest, daß sie schwebte. höchstens drei fuß- breit hoch, aber eben doch eindeutig über dem boden, und tatsächlich war es eher ein gleiten, als ein schweben. die luft um sie her war erfüllt vom unregelmäßigen fall- klang hunderter oder tausender tropfen. sie hatte diesen traum schon oft geträumt. keine seiner wiederholungen hatte je sinnstiftend gewirkt. ein traum ohne bedeutung, in dem sie sich, sobald sie ihn erkannte, hauptsächlich langweilte. daß sie ihn dennoch gern träumte, lag an einer kindheitserinnerung: am nächsten morgen nämlich, erwachte sie jedesmal mit einem vergnügten gedanken an huckjim huckleberry und jim in jones' höhle.

huckjim

musik >uNice
text >eukapirates zu traum II

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